Der LSCK gratuliert Uli Streich
Die Zeit vergeht wie im Flug, ein viel zitiertes Sprichwort. Für Uli Streich summiert sich die geflogene Zeit als Pilot von Motorflugzeugen inzwischen auf 2.000 Stunden (120.000 Minuten bzw. 7.200.000 Sekunden). Dazu kommen weitere 570 Stunden, die er mit verschiedenen Hubschraubern geflogen hat.
2.000 Stunden waren der Anlass für eine kleine Feier im Clubheim des Luftsport-Clubs Karlstadt, zu der alle Vereinsmitglieder eingeladen waren. Ein kleiner Umtrunk, ein leckeres Salatbuffet und herzhafte fränkische Bratwürste bildeten den Rahmen für das gesellige Beisammensein.
In gemütlicher Runde wurde Uli Streich gebeten, Episoden aus seiner langjährigen Flugpraxis zu erzählen, und überhaupt wollten seine Zuhörer sowieso alles ganz genau wissen.
Also berichtete er zuerst von seinem Fluglehrer Seufert, der ihn mit größtem Nachdruck Notlandeübungen trainieren ließ. Diese und das früh antrainierte Sicherheitsdenken ließen ihn so manche kritische Situation problemlos meistern. Dazu gehörte z.B. eine Außenlandung bei Rothenburg, als er sich einer Gewitterfront gegenüber sah. Sicherheitshalber landete er mit seiner Fuji auf einer geeigneten Wiese und wartete dort, bis das Unwetter (Weltuntergang könnte nicht schlimmer sein) vorüber war. Eine Situation richtig einzuschätzen und die bestmögliche Entscheidung zu treffen, hat der Seufert ihn gelehrt!
Natürlich hat ein Pilot, der u.a. vom damaligen Vereinsvorstand nach Italien geschickt wurde, um den Bordfunk einer DR 400 reparieren zu lassen, viel zu erzählen. Vor allem, wenn sich der Funk auf dem Rückweg nach Deutschland in eine Funkstille verwandelt, wenn eine Landebahnbeleuchtung aus Kostengründen nicht eingeschaltet wird und eine andere gar aus Rücksicht auf den Piloten ausgeschaltet blieb. Man wollte ihn schließlich nicht blenden...
Uli Streich erzählte auch von vielen Passagieren, die er aus bemerkenswerten Gründen zu interessanten Orten fliegen durfte. Mit einem Fotografen startete er einmal zu einem Rundflug, damit dieser ganz bestimmte Farbanordnungen und Kombinationen aus der Luft finden und fotografieren konnte. In der heutigen Zeit würde man dafür kein Flugzeug mehr starten, eher ein Programm wie den Photoshop.
Einmal galt es, eine rüstige Jubilarin mit einem Tagesausflug zu überraschen, von dem sie erst in letzter Minute erfuhr - es wäre ja sonst auch keine Überraschung gewesen. Der alten Dame, die in ihrem ganzen Leben zum ersten mal in einem Flugzeug saß, sah man die Anstrengung an, ihrer Tochter und ihrem Mann zuliebe (die beide auch mitflogen), ihre Fassung zu bewahren. Doch nach einiger Zeit entspannte sie sichtlich und sagte mit hörbarem Aufatmen: „Endlich habe ich etwas gefunden, woran ich mich festhalten kann. In diesem kleinen Flugzeug fehlen Haltegriffe, solche Bügel wie im Auto über dem Fenster!“ Den Einwand ihrer Tochter, dass Luft schließlich keine Balken hätte, überhörte sie geflissentlich und genoss den Rest des Tages voller Begeisterung.
Dann gab es noch diese schnell erzählte Geschichte vom Rückflug von Oldenburg, während dem sich ein Passagier an seinem Getränk verschluckte. Nein, es gab keinen Service an Bord, es war ein mitgebrachter Saft. Nach lang anhaltendem, sehr heftigen Hustenanfall waren die ersten an den Piloten gerichteten Worte: „Halt an, lass' mich aussteigen“. Nur daraus wurde so schnell nichts, mal eben rechts ranfliegen und am Wolkenrand aussteigen geht nicht. Die nächste planmäßige Landung war erst in Kassel-Calden.
Nette Geschichten, die Uli Streich mit Flug-Neulingen erlebte, gab es immer wieder, und jetzt bedauert er, dass er keine Notizen gemacht hat.
Er schmunzelt heute noch über einen Ausflug ins Alpenvorland, weil der Rückflug so kuschlig warm war. Immer wieder jammerte der Gast neben ihm, es wäre viel zu warm und an den Füßen zu heiß. Die Heizung im Cockpit funktionierte zwar gut, war aber weit entfernt von „Sauna-Temperaturen“, so dass Uli Streich nur versuchen konnte, den Gast zu beruhigen. Als es aber dann in Karlstadt ans Aussteigen ging, offenbarte sich das „Drama“ in seiner vollen (Schuh-)Größe. Der Gast hatte seine Füße während des gesamten Fluges genau in den Heizungsstrahl gestreckt. Wegen der zunehmenden Hitze hat er sie nach einiger Zeit seitlich gedreht, so dass der Strahl genau auf die Sohle ging. Seine neuen Schuhe hatten hochmoderne Kreppsohlen, die sich in der Austrittsöffnung der Heizdüse schon längst in Auflösung befanden. Bei jedem nun folgenden Schritt zogen die Sohlen lange Fäden, auf dem Boden blieben Gummiabdrücke zurück. Nun war klar, dass die Jodel wirklich eine gute Heizung hat!
Einiges geriet auch im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Andererseits gab es Erlebnisse, an die sich Uli Streich garantiert immer erinnern wird. So zum Beispiel mit diesem anderen Piloten als Passagier, der auf einem Streckenflug ein dringendes Bedürfnis verspürte und keinesfalls auf eine Landung bei nächster Gelegenheit warten wollte. Nun werden in Motorflugzeugen nicht unbedingt Urinflaschen mitgeführt, wie dies bei Seglern üblich ist, aber das wäre nicht weiter schlimm, meinte er, denn er hätte eine Plastiktüte. Gesagt, getan. Doch er wollte sich nicht damit zufrieden geben, die Tüte zuzuhalten bis zur nächsten Landung, machte kurzerhand die Kabinenhaube ein Stück weit auf in der Absicht, den Inhalt der Tüte nach draußen zu lehren. Als Pilot hätte er vorher wissen müssen, was dann im Luftstrom passierte. Ganz sicher auch er diese Episode nicht vergessen haben, denn er musste sofort nach der Landung den Flieger putzen, und den Flug setzte Uli Streich erst dann fort, nachdem sowohl Flugzeug als auch Passagiere wieder einwandfrei sauber waren.
Wir freuen uns jetzt schon auf die Feier für 3000 Stunden. Damit wir nicht so lange darauf warten müssen, dürfen Motorflug und Hubschrauber addiert werden!
Wir wünschen Uli Streich weiterhin guten Flug und immer eine Handbreit Luft unter den Rotorblättern!




